Wie es der Zufall will
Karin und ich gehen in unserer Umgebung ab und zu "Nordic walking" und haben dafür zwei Strecken. Eine Strecke führt teilweise über als "Jakobus-Pilgerweg" markierte Wege.
Das Buch von Hape Kerkeling "ich bin dann mal weg" habe ich vor einiger Zeit sehr interessiert gelesen und schon oft haben wir uns gefragt, wie es denn wäre, so einen Weg zu gehen.Wir haben gemeinsam Zeit, wollen gerne draußen etwas unternehmen und Laufen; haben aber keine Lust uns durch den Wochenend-alle-wollen-in-die-Berge-Ausflugsverkehr zu quälen.

Mir kommt in den Sinn, das wir mal schauen könnten, wie das mit dem Jakobus-Pilgerweg so ist, wie weit die Etappen sind usw. Wie immer finde ich im Internet schnell einige hilfreiche Angebote und lade mir eine passende Etappe in meine Outdoor-Navigations-App.

3. Etappe von Oberschönenfeld nach Maria Vesperbild

aktueller Stand

ca. 80 km, es bleiben noch ca. 2.522 km bis Santiago de Compostella  


Erkenntnis des Tages

Mich fasziniert ein Leben in Bescheidenheit, Zurückhaltung und einem Blick für die Schönheit der Natur mehr als die für mich bisher nicht greifbaren Rituale der katholischen Kirche. Ich wusste bisher nichts von einem Marienkult in Vesperbild.
Dennoch haben mich die Danksagungen vieler Gläubigen rund um die Marien-Statue in Maria Vesperbild beeindruckt. Die meisten berichten von überstandenen Krankheiten oder Unfallfolgen.

 

 

07.10.2018 // kurzfristig entschlossen

Nach unseren beiden Radtouren in Ungarn und an der Ostsee sowie einer Fitness-Woche in den Tiroler Alpen haben wir den heißen Sommer meist zuhause in und mit unserem Garten verbracht. Zudem habe ich das eine oder andere Wochenende mit meiner Band cook & friends kräftig gerockt. Inzwischen ist es Herbst, weiterhin recht sonnig und angenehm und Karin ist viel im Wald unterwegs um schmackhafte PiIze zu sammeln.

 

Ich selbst muss mich gerade um meine Gesundheit kümmern und sehr bald einer größeren Operation unterziehen. Ich kann nicht sagen, ob es "einfach so" war oder eine unterbewusste Reaktion auf die verdrängten Ängste vor einer ungewissen Zeit.
Auf jeden Fall wollte ich noch vor dem OP auf dem Jakobsweg ein Stück weiter kommen.

Es war wohl die letzte 1-Tages-Etappe die wir von zuhause aus starten konnten. Mit Bahn und Bus waren wir wir 1 1/2 Stunden bis zu unserem Anschluss-Start in Oberschönenfeld unterwegs.

Vom Ziel in Maria Vesperbild waren es dann noch einmal rund 3 Kilometer bis zur Bushaltestelle und rund 1,5 Stunden Rückweg bis nach Hause. Unterm Strich waren wir damit fast die gleiche Zeit mit Transfer beschäftigt als auf der rund 22 Kilometer langen Etappe wir gegangen sind.

 

Die Etappe selbst schlängelt sich überwiegend auf gut ausgebauten Wegen durch weitläufige Wälder der sog. "Stauden". Die zunehmend leichten  An- und Abstiege erinnern uns daran, das wir immer weiter südwestlich in Richtung Unterallgäu kommen.

In Oberschönenfeld entdecken wir einen Pilger-Wegstein:
noch 2.522 km bis Santiago de Compostella



2. Etappe von Augsburg (Jakobskirche) nach Oberschönenfeld

Erkenntnisse des Tages

Schon jetzt macht sich der Zeitaufwand bemerkbar, den man treiben muss um bei einzelnen Tagesetappen an seinen jeweiligen Anschlusspunkt und wieder zurück nach Hause zu kommen. Wir sind uns einig, das wir das nächste Mal mindestens 2 Tage den Camino gehen werden.

03.06.2018 // noch bekanntes Terrain

Der Tag beginnt mit der Anreise zum Ende der ersten Etappe. Mit der Bahn und der Straßenbahn geht es zunächst zur Jakobskirche in Augsburg. Ein schnelles Foto und wir starten bei bestem Wetter und gut gelaunt die 2.Etappe.

Der Weg führt uns über die Augsburger Innenstadt in Richtung Westen durch den Wittelsbacher Park. Dort laufen schon die Aufräumarbeiten nach dem bekannten Kulturfestival MODULAR an und so mancher Passant scheint wohl noch gar nicht im Bett gewesen zu sein.

 

Vorbei am alten "Rosenau-Stadion" laufen wir zunächst an der Wertach entlang und queren diese bei Göggingen in Richtung Wellenburg. Ab hier ist der Jakobsweg wieder gut gekennzeichnet und man muss nicht unbedingt eine Karte oder ein Navigationsgerät dabei haben.

Der Biergarten in der Wellenburger Schlossgaststätte ist schon gut gefüllt und wir gönnen uns eine kleine Pause im Schatten alter Bäume. Kurz nach Wellenberg biegt der Weg nach rechts in den Wald ab und es wird zusehends stiller. In diesem Forstgebiet gibt es viele gut beschilderte Wander-und Fahrradwege und so begegnen wir ziemlich vielen Radfahrern, einigen Fußgänger beim Hunde-Spaziergang und letztlich nur einen Wanderer.

 

Schneller als erwartet
Wir laufen unser normales Tempo, machen die eine oder andere Trinkpause und sind bei einem Blick auf die Wegweiser dennoch überrascht, das unser Ziel Oberschönenfeld schon in wenigen Kilometern vor uns liegt.
Es gilt noch den einen oder anderen kurzen Anstieg zu bewältigen und nach dem höchsten Wegpunkt auf ca. 600 Meter fällt der Weg recht zügig bis hin zum Kloster der Zisterzienzerinnen ab.

 

Wir statten der prunkvollen Abtei einen Besuch ab, zünden eine Kerze an und sind über die prunkvolle Ausstattung und dem wohl offensichtlich frisch renovierten Zustand überrascht.

 

Wir stellen fest, das diese Etappe für uns eher gemütlich war und wir noch genügend Kraft haben, um zum Bahnhof nach Gessertshausen zu laufen. Dort angekommen sehe wir gerade noch wie ein Zug in Richtung Augsburg abfährt und wir müssen knapp eine Stunde bis zum nächsten Zug warten.

 

Gesundheit

Diese Etappe verläuft zum größten Teil auf schattigen, gut ausgebauten Waldwegen und die wenigen Anstiege waren für uns mehr Abwechslung als echte Anstrengung.

 

Ausrüstung

Aufgrund der Erfahrung bei der ersten Etappe, haben wir von Sportschuhe auf Wanderschuhe umgestellt. Unsere Rucksäcke erweisen sich für Tagestouren weiterhin als geeignet.

Für zukünftige Mehr-Tages-Etappen werden wir uns jedoch noch besser geeignete Rucksäcke mit mehr Stau-Volumen kaufen müssen.




1. Etappe von Meitingen nach Augsburg (Jakobskirche)

Wie auch unsere Radtouren plane ich die einzelnen Etappen mit der Handy-Navigations-App komoot.

Meistens importiere ich eine der zahlreich im Netz zu findenden gpx-Dateien und überarbeite diese dann nach unseren Bedürfnissen.

Auf dem Weg selbst ist die Sprachnavigation abgeschaltet und cih schaue nur nach, wenn die "analoge" Beschilderung nicht eindeutig ist. Der Tracking-Modus läuft immer mit.

Gesundheit
Wir sind beide die Strecke ohne Komplikationen gelaufen. Nach etwas mehr als der halben Strecke merken wir, wie man nach einer längeren Sitz-/Brotzeit-Pause nach dem Aufstehen einige Meter braucht, bis der Körper die ungewohnte Belastung wieder als normal empfindet.

Ausrüstung
Da wir trockenes Wetter hatten, war unsere normale Kleidung völlig passend. Beim Schuhwerk haben wir zum Ende hin jedoch gemerkt, das unser Walking- bzw. Trainingsschuhe (durchaus schon bessere Qualität) für einen Tag ausreichen. Für mehrere Etappen nacheinander sind unsere "richtigen" Wanderschuhe wohl besser geeignet.

Zum Transport unserer wenigen Gegenstände habe ich meinen speziellen Fahrrad-Rucksack verwendet. Für eine mehrtägige Wanderung wird dieser jedoch zu knapp sein.

15.04.2018 // Der Beginn
Wir starten früh morgens direkt von unserer Haustüre und laufen Richtung Westen bis zum Einstieg in den markierten Pilgerweg am Fuße des Langenreichener Berges.

Über Markt, Biberbach, Achsheim und Gersthofen führt der Weg auf noch teilweise bekannten Pfaden in Richtung Augsburg. Ab Gersthofen folgen wir dem Lech flussaufwärts, queren bei Lechhausen den Lech und betreten nach  6:38 Stunden und 31,6 km die Jakobskirche in der Augsburger Jakober Vorstadt.

 

Begegnung
Auf einem abseits gelegenen Weg kommt uns ein Radler-Paar entgegen. Plötzlich werde ich gerufen ".. du bist doch der Schlagzeuger von VOXI!". Die Radler halten und es entwickelt sich ein Gespräch über deren Radtouren und vor allem die Rockband VOXI. Als ich erklärte, das ich vor einigen Wochen die Band verlassen habe, bekomme ich fragende Blicke und die sofortige Feststellung, das wir alle ja schon in einem Alter seien, wo man Beruf, Gesundheit und eine Rockband nicht mehr unter einen Hut bringt.
Meine wirklichen Beweggründe die Band zu verlassen, werden gar nicht erfragt.

Erkenntnisse des Tages

Man kennt die Gegend seit seiner Jugend, doch zu Fuß und auf unbekannten Pfaden, bekommt man einen gänzlich anderen Blickwinkel auf vermeintlich bekanntes Terrain.