Mit dem Fahrrad auf Wanderschaft - der Donauradweg Teil 1 und Teil 2

Das Equipment

 

 Schon seit einigen Jahren war ich auf der Suche nach einem für mich geeignetem Fahrrad. Ich habe bei vielen Händlern verschiedenste Modelle ausprobiert, doch es war keines dabei, das meinen Vorstellungen entsprach. Nach einem Einkaufsbummel liefen meine Frau und ich eher zufällig kurz vor Ladenschluss an einem kleinen Fahrradladen in Augsburg vorbei, ich probierte das mir empfohlene Rad und ich wusste, das ist mein Fahrrad. 

 

Es handelt sich um das eher seltene Modell Urban Challenge UC01 des Hersteller BMC.
Dieses Straßen-Rad kombiniert einen sehr leichten Alu-Rahmen mit Carbon-Bauteilen, als Antrieb hat es eine Shimano-Alfine 8-Gang-Nabenschaltung in Kombination mit einem Gates-Carbon-Riemenantrieb und Shimano-Rapidfire-Schalthebel. Zum Stehen kommt das flotte Rad mit kräftigen hydraulischen Scheibenbremsen.

 

Reisetauglichkeit

Um dieses Fahrrad für längere Reise-Touren tauglich zu machen, habe ich nach Erfahrung und Recherche verschiedene Komponenten und Ausrüstung beschafft und nachgerüstet.

Sehr wichtig: ein ziemlich stabiler Gepäckträger mit Abstützung zum Sattelrohr, zwei sehr robuste, wasserdichte Gepäcktaschen von MSX samt dazu passendem Fahrrad-Rucksack; eine Lenkkopf-Halterung für das Handy, zwei(!)starke LED-Radlampen von B+M und dazu eine Rahmentasche für das vordere Rahmendreieck (diese nimmt auch den Powerpack für das Handy/Navi und die Beleuchtung auf).

 

Da das Rad durch die Carbon-Gabel und den Carbon-Lenker vorne sehr leicht ist und durch das Gepäck noch mehr entlastet wird, habe ich für die kommenden Touren noch ein Lenkertasche mit Klick-Fix-System (ebenfalls von MSX) montiert.

 

Die originale, auf Geschwindigkeit orientierte Bereifung, habe ich zwischenzeitlich durch pannensichere Schwalbe Marathon plus Reifen ersetzt.


Planung/Navigaton

Für die Vorbereitung und auch die laufende Navigation nutze ich das kostenpflichtige Angebot App und Webseite) von komoot.

Hat man mit STRAVA eine Tour getrakct, kann man mit relive diesen Track in einer 3D-Landschaft implementieren und nacherleben und in ein Video einbauen.

Trotz umfangreicher Vorbereitung habe ich während der Tour schnell gemerkt, das ich am Fahrrad und auch der technischen Ausrüstung (Navigation, Handy, Fotokamera usw.) optimieren muss.

Die ersten Erfahrungen

Seit 1996 war ich viel mit meinem Gleitschirm in den Bergen unterwegs und habe dabei viel Schönes und manches Unglück erlebt. Ich fliege immer noch Gleitschirm, dennoch war ich wohl unbewusst auf der Suche nach einer anderen Art des Erlebens und Erkundens.
Weniger gefährlich, weniger aufwändig, kostengünstig, umweltschonend, von zuhause aus zu betreiben und nicht wettbewerbsorientiert - so sollte meine neue Passion sein.

Als bei einer privaten Frühstücksrunde ein Radreisender von seiner Radtour berichtete (er hat die komplette deutsche Außengrenze in Etappen bereist) und ich endlich das passende Fahrrad gefunden hatte, war mir klar - das Fahrrad-Wandern wird für mich eine neue Art meinen Freiraum zu erleben.


Donauradweg Teil 1 | von Meitingen nach Passau

Abfahrt zur ersten Rad-Wandertour 2016
Abfahrt zur ersten Rad-Wandertour 2016

Mit Hilfe verschiedener Radreiseführer und den im Internet zahlreich zu findenden GPS-Tracks habe ich mich auf meine erste Tour theoretisch vorbereitet. 
Praktisch bin ich den Wochen vor der Tour nicht sehr oft auf dem Rad gesessen. Meine längste zusammenhängende Strecke war bis dahin so um die 60 Kilometer - ich verlasse mich damit auf meine Grundkondition und Ausdauer.

Marxheim - Einstieg Donauradweg
Marxheim - Einstieg Donauradweg

1. Etappe | von Meitingen über Buxheim nach Vohburg (ca. 92 km) ...

Nach einem guten Frühstück verabschiede ich mich von meiner Frau und mache mich auf den Weg nach Buxheim. Dort treffe ich auf den von Westen kommenden Donauradweg.
Ich nutze als Navigation mein Handy mit einer tollen App von komoot. Leider muss ich schon jetzt feststellen, das meine selbst gebastelte Lenker-Handy-Halterung instabil ist. Auch scheint der GPS-Chip in meinem ASUS-Handy nicht der beste zu sein. Ich habe ständig Signalverlust und muss das Handy immer wieder neu starten, bis das GPS-Signal wieder verfügbar ist.

Der Weg nach Ingolstadt führt teilweise durch weite Donau-Waldauen, wobei ich mangels funktionierende Navigation die eine oder andere Abzweigung im Wald verpasse und sicher ein paar Kilometer mehr als geplant fahre.

Schneller als gedacht bin ich in Ingolstadt und mache Rast. Obwohl die Straßen weiter entfernt sind, fühle ich mich nach den vergangenen stillen Stunden durch den Lärmpegel der Stadt nicht sehr wohl.

 

Mein Plan, die Übernachtungen dann zu organisieren, wenn ich absehen kann bis wohin ich kommen werde, erweist sich als schlechte Idee.
Obwohl mir die Google-Suche für Vohburg etliche Übernachtungsmöglichkeiten anbietet, finde ich keine Bleibe.
Erst als es schon fast Dunkel ist, gibt mir der Wirt der örtlichen Pizzeria eher unwirsch gegen Barzahlung ein "Monteur-Zimmer".
Ich bin ziemlich unzufrieden mit der Situation und die ersten Anzeichen einer Magen-/Darm-Verstimmung hellen meine Stimmung auch nicht auf.

durch den Donaudurchbruch
durch den Donaudurchbruch

2. Etappe | von Vohburg über Regensburg und den Donaudurchbruch nach Donaustauf (ca. 88 km)

Ich habe fast nicht geschlafen und war oft auf der Toilette. Ich bin am überlegen ob ich abbreche, doch ich habe so lange geplant und mich gefreut; da will ich nicht zu früh aufgeben.

Das traurige Zimmer und der vor mir liegende Donaudurchbruch bei Weltenberg treiben mich an.
Es ist sonnig, aber kalt. Lange Unterwäsche und das "Zwiebel-Prinzip" halten mich warm.

Die Gegend ist weit, wellig und fühlt sich vertraut an.

Ich komme gut voran und schon gegen 10.30 Uhr bin ich am Kloster Weltenburg. Ab dort kann man mit einem Schiff durch den spektakulären Donaudurchbruch bis Kelheim fahren.

Mein nächstes Ziel ist die historische Wurstkuchl an der steinernen Brücke in Regensburg.

Ich gönne mir eine ausgiebige Mittagspause im Umfeld vieler Touristen und beobachte lange einen der Kälte trotzendem Kajak-Fahrer, der unterhalb der Donaubrücke die Wellen des Brückenpfeilers ausgiebig zum Training nutzt.

Mit der Erfahrung vom Vortag mache ich mich auf außerhalb von Regensburg eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Am Radweg selbst sieht man immer wieder Hinweisschilder zu radlerfreundlichen Pensionen, doch oft hängt darüber auch ein Schild mit "geschlossen" oder "belegt".

 

Ich wünsche mir ohne große Suche ein vernünftiges Zimmer und folge einem Hinweisschild Landgasthof/Hotel Hammermühle. Ich bekomme ein schönes Zimmer, freue mich über eine warme Dusche und ein schmackhaftes Abendessen. Der Zimmerpreis ist zwar außerhalb meines Wunsch-Budgets, ist aber der Qualität angemessen.

3. Etappe | von Donaustauf nach Passau (ca. 128 km)

Ich habe mich ausgeschlafen und ein wenig gefrühstückt, doch plagt mich weiter meine "beschleunigte Verdauung".

Ich lasse den Gedanken zu, die Tour doch vorzeitig abzubrechen und mit dem Zug nach Hause zu fahren.

 

Immer mehr spüre ich die nachlassende Kraft durch den hohen Flüssigkeitsverlust. Ich habe kaum noch einen Blick für die Landschaft und will nur noch ankommen.
In der Straubinger Innenstadt besorge ich mir in einer Apotheke Elektrolyt-Ersatz und eine Creme für den nun doch recht beanspruchten Sitzbereich.

 

Mein Ehrgeiz durchzuhalten und bis nach Passau zu fahren, bringt mich bis an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit. Die letzten Kilometer verlangen meinem Körper alles ab. Nach für mich bis dahin unvorstellbaren 128 Kilometer auf dem Rad rolle ich endlich vor dem Haupteingang des Passauer Bahnhofs ein. Ich steige ab und habe so weiche Beine, das ich kaum stehen und mein Rad parken kann.

Ein Blick auf die Anzeigetafel und ich freue mich sehr, das schon in 15 Minuten mich ein Zug nach Hause bringt. Ich informiere meine Frau, kaufe im Bahnhofskiosk zwei Flaschen Bier, steige in den Zug und bis zum Umstieg in München schlafe ich tief und fest.


Fazit nach rund 308 km in drei Tagen - eine Radreise macht man nicht "einfach so". Neben der Technik und Ausstattung muss man die eigene Leistungsfähigkeit gut einschätzen und sich überlegen, ob man eher bequem oder vielleicht mehr der "lonesome Rider" mit Hang zur Einfachheit ist.


Donauradweg Teil 2 | von Passau nach Wien

Seit Juli 2016 habe ich nun eine neue Arbeitsstelle und mit Ausnahme von einigen wenigen Tagen konnte ich noch keinen Urlaub nehmen. Mein Chef hat meine Urlaubsplanungen genehmigt und ich freue mich auf die erste längere Freizeit.

Mein Plan ist, mit der Bahn nach Passau zu fahren und von dort aus dem Donauradweg weiter nach Wien zu folgen. Die Etappen habe ich mit ca. 80 km am Tag kürzer geplant als im letzten Jahr. Die Nächte werde ich nach meinen Erfahrungen im ersten Teil im Zelt verbringen und habe mir dafür auch schon passende, geöffnete Etappen-Campingplätze am Donauradweg herausgesucht.

Durch die kürzeren Etappen und Wegfall der Unterkunftssuche erhoffe ich mir ein entspanntes Rad-Wandern. Das finale Ziel ist natürlich eine originale Sachertorte samt einem Verlängerten im gleichnamigen Wiener Hotel zu genießen. Die Rückfahrt habe ich mit dem Fernbus (Wien-Augsburg) geplant.

Start in Passau
Start in Passau

Am 01.April fahre ich von zuhause los und nehme die Bahn von Meitingen nach Passau. Die bayernweit fahrenden Nahverkehrszüge haben ausreichend Platz für den Fahrradtransport Mit nur einem Umstieg in München und ohne Verzögerungen komme ich entspannt am Hauptbahnhof Passau an und starte sofort in Richtung Donauradweg.

gemütliche Radfähre
gemütliche Radfähre

4. Etappe | von Passau nach Ottensheim (ca. 90 km)

 Ich fahre über altes, holpriges Kopfsteinpflaster durch die aufwachende Altstadt zielstrebig an den Zusammenfluss von Isar und Donau. Obwohl es noch merklich kühl und früh am Tag ist, sind schon viele asiatische Bustouristen unterwegs. Da es nun doch schon am späten Vormittag ist, halte ich mich nicht länger auf und verlasse die Stadt Richtung Osten.

Der Radweg führt ohne nennenswerte Steigungen auf gut ausgebauten und beschilderten Wegen immer am Donauufer entlang. Es sind wenige bis gar keine Radfahrer unterwegs und ich fahre über viele Kilometer völlig alleine bis zur "Schlögenschleife".
Dort setzt man mit einer speziellen Personen-/Fahrradfähre auf die andere Uferseite über. Die nur wenige Minuten dauernde Überfahrt teile ich mir mit zwei Tagestour-Radfahrern. Wir genießen still die wärmende Sonne und den besonderen Ausblick auf die Donau und das dort beginnende Naturschutzgebiet.

Outdoor-Hotel
Outdoor-Hotel

Mein Tagesziel liegt einige Kilometer vor Linz, Campingplatz Hofmühle bei Ottensheim. Der Platz ist klein, wird überwiegend von Wochenend-Dauercamper genutzt und strahlt eine morbiden Charme aus. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut und kalt geduscht habe, setzte ich mich in das gegenüberliegende kleine Gasthaus der Platzbesitzer.
Die Wirtin berichtet, das die zum Campingplatz gehörende Mühle schon seit Generationen im Besitz der Familie ist und immer wieder vom Donauhochwasser heimgesucht wird.
Die Beseitigung der Schäden nach einem Hochwasser (zuletzt im Jahr 2013)gestaltet sich für die Familie immer schwieriger und oft schon wollte man aufgeben. Die junge Generation zieht fort in die Städte; doch die verbliebenen Bewohner haben kaum eine Alternative und fangen wieder von vorne an.
Ich sehe nun das Leben an und mit einem großen Fluss und den Zustand des kleinen Campingplatz außerhalb größerer touristischer Attraktionen mit anderen Augen.


Linz
Linz

5. Etappe | von Ottensheim über  Mauthausen und Linz nach Ybbs (ca. 92 km)

Die doch noch recht kalte Nacht verbringe ich im molligen Schlafsack. Die aufgehende Sonne scheint auf mein Zelt und ich wache zeitig auf. Meine Übernachtung habe ich am Vorabend bereits bezahlt und packe ohne große Morgentoilette meine Ausrüstung auf das Rad. Bei strahlend blauem Himmel fahre ich die ersten Kilometer bis nach Linz. Schon ab der Stadtgrenze fallen mir die morgendlichen Party-Heimkehrer auf. Klar, es ist Sonntag und Linz ist als kulturoffene Stadt mit vielen jungen Menschen für viele Bars, Clubs und interessante Veranstaltungen bekannt.
Am zentralen Platz finde ich ein so früh schon geöffnetes Kaffeehaus und freue mich über eine gut aufgelegte Bedienung, einen heißen Kaffee mit süßem Frühstück und eine saubere Toilette.
Ich schlendere noch ein wenig durch die Fußgängerzone und bewundere das eine oder andere historische Gebäude. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gibt es noch viele kleine Geschäfte mit speziellem Sortiment. Man sieht aber auch in Linz an jeder Ecke die gleichen Mode-Filialisten, die gleichen Fastfood-Ketten, die gleichen Handy-Läden usw.

 

Linz | Voest-Alpine
Linz | Voest-Alpine

Ich verlasse Linz in Begleitung vieler städtischer Frühsportler mit dem Ziel "KZ-Gedenkstätte Mauthausen".
Auf der gegenüberliegenden Flussseite zieht sich kilometerlang das Gelände des weltweit agierenden Konzerns VOEST Alpine hin.

Irgendwann endet jedoch jede städtische "Hunde-Gassi-Strecke", die Abraumhalden weichen wieder den Flussauen und ich bin wieder mit mir alleine unterwegs.

KZ-Gedenkstätte Mauthausen
KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen liegt weit oberhalb der Donau und ich kämpfe mich auf kurzer Strecke 170 Höhenmeter nach oben.

Fast jeder bayrische Schüler besucht einmal die KZ-Gedenkstätte in Dachau, doch Mauthausen bleibt mir viel, viel intensiver im Gedächtnis.

 Die Anlage ist in vielen Teilen erhalten und insbesondere in den Kellern der "Funktionsgebäude" spürt man immer noch die Grausamkeiten, die Menschen sich antun können.

Mein Respekt vor diesem Zeugnis menschlichen Leidens verbietet es mir touristische Bilder zu machen. 

Beeindruckt, nachdenklich und mit viel Bremseinsatz fahre ich die steile Straße wieder hinab und folge weiter dem Donauradweg. Vorbei an malerischen Dörfern und kleineren Städten nähere ich mich meinem Tagesziel Camping Krenn (ca. 6 km vor Ybbs). 

Der Gasthof/Campingplatz Krenn liegt direkt am Radweg und schmiegt sich an das Donauufer.

Als wieder der einzige Radfahrer und Zeltcamper werde ich im Gasthof von Einheimischen recht schnell freundlich und interessiert aufgenommen.

Bei gutem Essen und kühlem Bier werde ich nach der heutigen Etappe recht schnell müde, verabschiede mich von der nächtlichen Runde und verkrieche mich in meinen Schlafsack.


Pöchlarn
Pöchlarn

6. Etappe | von Ybbs nach Krems (ca. 72 km)
Mein Zelt steht nur wenige Meter vom Wasser entfernt. Die Donau hat sich hier tief eingegraben. Es ist zwar wenig Verkehr, doch die wenigen Lastwagen erzeugen durch vermutlich Schallreflexionen einen rechten Lärm. Es dauert zwar nur Sekunden, doch bin ich schon um 06.00 Uhr wach und starte früh in den Tag.

Wenige Kilometer später weitet sich das Donautal immer mehr zum beginnenden Most- und Weinviertel und bekommt einen eher mediterranen Flair. In Pöchlarn genieße ich im altehrwürdigen "K & K Stadtcafe" einen morgendlichen "Verlängerten". Anders als zuhause ist das Gasthaus schon gut besucht und für einen Bayern ungewöhnlich - es wird geraucht.

 

Dürnstein
Dürnstein

Ich liege gut in meinem Zeitplan und kann die heutige, etwas kürzere Etappe, damit recht locker fahren. Der Weg führt durch weite Obstplantagen und große Weinfelder. Nur wenn der Fluss eine Kurve macht, verengt sich das Donautal und es sind kurze Anstiege durch malerische Dörfer zu bewältigen.

Zunehmend spürt und sieht man, das man hier auf den Tourismus setzt. Es werden neue Anleger für Fluss-Kreuzfahrtschiffe mit direktem Zugang zu Wellness-Hotels gebaut. Bei einem Kaffee erzählen mir Einheimische, das "der Wiener Stadtmensch" am Wochenende gerne mit einem Luxus-Schiff hierher kommt, das Wochenende verbringt und manchmal sogar mit dem Fahrrad wieder zurück fährt.

Krems | Anleger
Krems | Anleger

Am späteren Nachmittag erreiche ich schon mein Tagesziel  - die Universitätsstadt Krems. Der zentral gelegene Donaupark Camping Krems hat seit ein paar Tagen geöffnet und ist nur von wenigen Gästen besucht.

Ich freue mich über die gepflegten Sanitäranlagen und einen gemütlichen Plausch mit der Pächterin. Ein Paar mit Wohnmobil aus Augsburg (!) spricht mich an und empfiehlt mir in Wien eine Alternative zum Camping einzuplanen. Die städtischen Plätze seien noch nicht geöffnet oder für Zeltcamper nicht zu empfehlen.

Ich freue mich über diesen Tipp. Dank kostenlosem WLAN kann ich recherchieren und ein für mich passendes Hostel am Wiener Westbahnhof günstig buchen. Entspannt schaue ich mir die Stadt an und finde in der Kremser Altstadt das gut besuchte und sehr gemütliche Bierlokal PIANO-Bar. Ein kleines Gewitter zieht vorüber und der auf das Zelt prasselnde Regen wiegt mich schnell in den Schlaf.


Vor den Toren Wien`s
Vor den Toren Wien`s

7. Etappe | von Krems nach Wien (ca. 88 km)
Der Morgen begrüßt mich wieder mit strahlendem Sonnenschein. Ich bin neugierig auf Wien und mache mich auf den Weg. Schon bald wird alles städtischer, die Häuser höher, die Automobile breiter und auch Fahrradfahrer sind nun mehr zu sehen. Oft sind es E-Bikes oder hochwertige Rennräder mit bunt bekleideten Fahrern.

Die Donau ist hier noch stärker reguliert als zuvor und ähnelt mehr einem Kanal als einem Fluss. Mein meist schnurgerader Weg führt mich über Tulln und Kloster Neuburg durch typische Stadt-Vororte, Wohnviertel, Industriegebiete und manch verlassener Hafenanlage. Immer im Blick - die Wiener Silhouette.

Impressionen
Impressionen

Nach den zurückliegenden, oft einsamen Kilometern auf dem Donauradweg empfinde ich Wien dennoch nicht als hektisch.

Das Radwegenetz ist gut ausgebaut, es gibt oft eigene Radspuren und auch speziell geschaltete Radfahrer-Ampeln. Auf dem Radweg darf man in Wien auch entgegen der Einbahnstraßen-Richtung fahren und die Autofahrer gehen mit einem erstaunlich rücksichtsvoll um.

Anders als mit dem Auto oder dem Reisebus erlebt man die Stadt aus einer völlig anderen Perspektive. Manchmal führt einen der Weg auch an Orte, die man von den üblichen Postkarten-Klischee-Bildern nicht kennt.

fahrradfreundliches Hostel mit Rad-Parkpkatz
fahrradfreundliches Hostel mit Rad-Parkpkatz

Direkt neben dem Wiener Westbahnhof liegt das von mir am Vorabend gebuchte Hostel. Das überwiegend von jungen Leuten besuchte "Do Step Inn" ist ein schön renoviertes altes Wiener Stadthaus und hat eine entspannte, internationale Atmosphäre. Ich beziehe mein Etagenbett in einem 6-Bett-Zimmer, mache mich frisch und erkunde die nahe liegende Wiener Innenstadt.

Mein Fahrrad kann ich im Innenhof des Hostel während meines gesamten Aufenthalts kostenlos parken - das beruhigt ungemein, denn ich kann mir vorstellen, das ein hochwertiges Fahrrad auch in Wien zum Objekt der Begierde von Langfingern wird.

Wien | Stadtbesichtigung und Rückreise

Nach 7 Etappen und insgesamt rund 650 Kilometer mache ich zum Abschluss eine Stadtrundfahrt mit den Öffentlichen.  Das Tagesticket ist günstig, man kommt flott überall hin und insbesondere mit der Straßenbahn bekommt mit der Zeit auch ein bisschen Ahnung wie der "Wiener" im Alltag tickt. Mein Reiseplan hat geklappt und bis zur Abfahrt des vorab gebuchten Fernbusses kurz vor Mitternacht bleibt mir noch viel Zeit.

mit dem Fernbus wieder nach Hause
mit dem Fernbus wieder nach Hause

Nach der ausgiebigen Stadtbesichtigung fahre ich zeitig zum zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) am Praterstern. Hier treffen sich unter einer mehrspurigen Stadtautobahn alle internationalen Buslinien. Das Publikum kommt dem Sprachengewirr nach meist aus osteuropäischen Staaten und so manches Reisegepäck ist ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine.

Ich verlade mein Rad und das Gepäck und pünktlich kurz vor Mitternacht startet der Bus in die Nacht und nach nur wenigen Stopps komme ich ohne Umsteigen am nächsten Morgen gegen 7.00 Uhr ausgeschlafen in Augsburg an.

Noch ein paar Kilometer auf bekannter Strecke und ich werde mit einem tollen Frühstück zuhause empfangen. Nach rund 670 km verteilt auf 7 Etappen freue ich mich über meinen Entschluss diese Art des Reisens für mich entdeckt zu haben.