Donauradweg 3.Teil von Wien nach Budapest (2018)

Unsere Reise im Vogelflug

Vorbereitung der Tour

Nach meinen Erfahrungen mit den ersten Etappen von Meitingen nach Wien habe ich diese Teilstrecke recht akribisch vorgeplant. Nach der Tour kann ich sagen, das es gut war und in Teilen sogar notwendig.

Die Tourvorbereitung selbst kann man hier nachlesen.


GPS-Track-log als gpx-Datei

Wer als Grundlage seiner eigenen Planung unseren gpx-Tracklog haben möchte, kann mir gerne über das Kontaktformular eine Nachricht schicken.


Sinn und Unsinn eines Reiseberichts

Über Sinn, Unsinn und Qualität eines öffentlich zugänglichen Reiseberichts lässt sich trefflich diskutieren. Wenn nur ein Leser sich durch meine Reiseberichte motiviert fühlt und einfach mal etwas anderes macht, als mit einem engen Touristenflieger zu einem all-inklusive-Badeurlaub aufzubrechen, dann hat sich die Mühe schon gelohnt.

Das haben wir erlebt

Vorweg, der Namen Donauradweg suggeriert eine Radweg-Idylle, die ab Wien in Teilen so nicht existiert.

 

Der Weg führt nicht nur am Ufer der "schönen, blauen Donau" entlang, sondern auch mal über ruppige Dorfstraßen, durch größere Industrie-Landschaften oder Feldwege mitten durch Donau-Auwald-Gestrüpp und je nach gewählter Route und Quartier quer durch die Rushhour verkehrsreicher Kleinstädte.


1.Tag - Anreise, Wien und Kabarett

Busbahnhof Augsburg
Busbahnhof Augsburg

Entgegen unserer ursprünglichen Planung wurden wir von FLIXBUS auf einen anderen Bus umgebucht. Es ging nun einen Tag früher abends um 21:30 Uhr in Augsburg los; geplante Ankunft in Wien um 06.00 Uhr morgens.

 

Die Fahrt im vollen Bus verlief ohne Zwischenfälle und mangels bequemen Bett etwas übernächtig treffen wir pünktlich um 06:00 Uhr morgens am Wiener Busbahnhof ZOB Erdweg ein.
Durch die Umbuchung haben wir fast einen ganzen Tag für Wien gewonnen; bleibt aber die Frage, was macht man in der Früh um 06:00 Uhr in einer fremdem Stadt?



Wien - Impressionen


Eine Stadt wacht auf
Wir beschließen zu unserer Unterkunft "Hostel Kaisers Inn" zu fahren und hoffen auf einen ersten heißen Kaffee. Der Weg führt uns quer durch Wiener Wohnquartiere und tatsächlich finden wir ein offenes, kleines Cafe und freuen uns über den ersten "kleinen Braunen".
Unsere Unterkunft liegt recht zentral in der Nähe des Wiener Westbahnhofs. Nur kurz müssen wir suchen und finden das Hostel in einem schön renovierten Stadt-Wohnhaus. Ein freundlicher Bewohner sperrt uns auf und wir können unsere bepackten Räder bis zum Bezug unseres Quartiers im Innenhof sicher abstellen.

Wir streifen durch die langsam aufwachende innere Altstadt mit ihren bekannten Einkaufsmeilen, statten dem Stephansdom einen Besuch ab, frühstücken in einem Bäckerei-Cafe (wie es bei uns zuhause auch an jeder Ecke eines gibt) und freuen uns an der wärmenden Sonne.


Schreck am Nachmittag - die Räder sind weg!?
Als wir zum Nachmittag hin wieder bei unserem Hostel eintreffen, fährt uns der Schreck in die Glieder - beide sorgsam abgesperrten Fahrräder samt Gepäck sind nicht mehr da - wir sind blass, ratlos und sehen unsere gesamte Tour schon vor Beginn als beendet an. Nach einer gefühlten Ewigkeit klärt sich die Sache durch ein Telefonat und Nachfragen bei einem Hausmieter in Wohlgefallen auf. Unser Hostel-Vermieter hatte unser Räder zusätzlich in einen abgesperrten Fahrradraum umgeparkt. Uns fällt ein ziemlich großer Stein vom Herzen!

 

Wiener Kulturszene
Dank der neuen Medien hat vom großen Musical-Theater bis zum kleinen Beisl um die Ecke fast alles und jeder eine Internetseite. Es ist damit leicht geworden im Vorfeld zu recherchieren und Karten auch für kleinere lokale Bühnen ohne die großen Event-Buchungsagenturen zu reservieren.
Wir verbringenden Abend in der Kulisse - eine altehrwürdige Wiener Kulturbühne.Trotz breitem österreichischem Dialekt verstehen wir fast alles der vier jungen Weinviert`ler Kabarettisten und können verschmitzt grinsen und manchmal auch lauthals lachen.


2.Tag - von Wien nach Bratislava


Wien schläft noch und wir starten
Nach einer recht kurzen Nacht, starten wir am Sonntag früh gegen 7 Uhr bei um die 2-3 Grad und Sonnenschein unsere Tour. Die Straßen sind noch leer und meine auf dam Navi vorgeplante Route führt uns zielsicher aus der Stadt. Über die Donauinsel wechseln wir auf die nördliche Donauseite, durchfahren ein großes Tanklager und sind dann am Beginn des Naturschutzgebietes.

In Höhe des kleinen Ortes Schönau gibt es die erste und eigentlich auch letzte Rad-Station. Karin, ich und ein einzelner Rennradfahrer sind die einzigen Gäste. Der Wirt berichtet, das es um diese Zeit normalerweise 10 Grad mehr hat und zollt unserem Vorhaben seinen Respekt.

Nach Kaffee, Tee und Käsekrainer (Würstl mit Senf, Zwiebel und Kren) machen wir uns für die nächsten Kilometer startklar.
Der Rennradfahrer startet ebenfalls und verlässt uns Richtung Wien mit dem launigen Hinweis, das wir noch eine Menge Wind vor uns haben werden.

 

Eine mega-Baustelle mit gesperrter Radweg
Nach der großen Stadt freuen wir uns richtig auf den Naturschutzpark Donauauen und werden von einer großflächigen Umleitung überrascht. Zwischen Schönau und Hainburg gibt es seit Oktober 2017 ein groß angelegtes Projekt zur Sanierung der Schutzdämme. Die Umleitung ist gut beschildert und führt über Feldwege und Nebenstraßen von Dorf zu Dorf.

 

Viel Wind und noch mehr Windräder
Kaum sind wir ein paar Kilometer im Marchfeld unterwegs, spüren wir den zunehmenden Gegenwind und sehen immer mehr Windräder. Klar - wo ein Windrad steht, muss auch Wind sein - und was für einer!
Für Karin ist es die erste Radfahrt mit ca. 80 km an einem Tag und dann mit einem Gegenwind, der uns immer wieder zum Schalten in die untersten Gänge zwingt; teilweise müssen wir absteigen und zur Erholung ein paar Meter schieben. Wir erinnern uns an den launigen Spruch des Rennradfahrers.

 

Bratislava
Nach rund 86 Kilometer stehen wir gegen 15:30 Uhr in Bratislava auf der Donaubrücke.Unser vorgebuchtes Hostel liegt etwas außerhalb des Zentrums in einer Wohnstraße. Es ist sauber und es gibt sogar ein zubereitetes Frühstück.
Wie viele weitere Orte auf unserer Reise hat Bratislava eine ansehnliche Altstadt mit Gastronomie und kleinen Geschäften. Fährt man aber nur wenige Meter weiter, ändert sich das Bild und die Häuser und Fassaden werden unansehnlich bis marode, die Straßen sind voller Schlaglöcher und die Randbezirke sind von großflächigen Industriebrachen gekennzeichnet. 

 

Keine Radwege aber viel Elektromobilität

Im Straßenverkehr fällt mir auf, das es vergleichsweise viele Elektro- oder Hybrid-Autos asiatischer Hersteller in der Mittelklasse gibt. Auch sichtbar neue Stadtbusse sind elektrisch und werden über Oberleitungen ähnlich einer Straßenbahn mit Energie versorgt. Ein chinesischer Konzern hat in Bratislava gerade eine neue Fabrik mit 500 Mitarbeitern eröffnet. Dort sollen bis zu 300 Elektrobusse im Jahr hergestellt werden.

Auch wenn es in Bratislava an Radwegen ziemlich mangelt, so scheint mir, das die Verkehrspolitik in der Slowakei einen Schritt weiter ist als wir in Auto-Deutschland.



3.Tag - von Bratislava nach Györ

Endlos geradeaus
Wir haben ausgeschlafen, bepacken unsere Räder und freuen uns über einen englisch sprechenden jungen Mann, der uns ein gutes und günstiges Frühstück zubereitet.
Zielsicher verlassen wir Bratislava auf Neben- und Wohnstraßen durch Bratislava und schon bald sind wir auf einem gut ausgebauten, schnurgeraden Radweg.

 

Die Donau ist an dieser Stelle sehr breit, hat viele treibende Inseln und ist ein Paradies für Vögel und andere Tiere die am und im Wasser leben.

Hatten wir gestern massiven Gegenwind, werden wir heute mit leicht schiebendem Rückenwind entschädigt.

 

Wir machen Rast an einer Fährstelle, beobachten das normale Leben der Anwohner und bemerken, wie hier das Leben schon deutlich langsamer und einfacher tickt als bei uns zuhause.

Bis zur Donaubrücke bei Györ ist der Radweg auf dem flachen Damm top in Schuss und man kann über viele Kilometer seine Gedanken loslassen ohne Angst zu haben sein Rad im nächsten Schlagloch zu versenken

 

Gefährliche Brücke

So angenehm die Fahrt auf der slowakischen Seite war, so unangenehm und gefährlich ist die Überquerung der Donau bei Györ. Kein Radweg, drei aufeinander folgende schmale Brücken ohne Randstreifen und rücksichtslose LKW-Fahrer.
Auf der ungarischen Seite empfängt uns das alte Grenzgebäude, die Mautpolizei und eine stark befahrene Straße ohne Radweg oder Radspur.

Wir beschließen umzuplanen und fahren in den jetzt ungarischen Donauauen weiter Richtung Südosten und erreichen über Vorort-Dörfer und moderat befahrene Straßen gegen 16 Uhr die Stadtgrenze von Györ.

 

Györ - die Audi-Stadt
Wir beziehen unser Zimmer im Hotel Raba City, machen uns frisch und schlendern durch die Stadt. Man merkt, das Audi in Györ ein großes Werk hat und dort Motoren und bestimmte Automodelle produziert. Die Stadt scheint etwas mehr Geld zu haben als andere ungarische Städte. Die Innenstadt ist sauber, vieles ist renoviert, es gibt markierte Radwege und so mancher neu gebauten Vorort-Siedlung sieht man den deutschen Einfluss in Baustil - und Ausführung an.

 

Ungarisches street-food

Wir freuen uns, das wir den zweiten Tag mit rund 84 km unerwartet entspannt beendet haben.

Wir wollen nur eine Kleinigkeit essen und entdecken einen recht neuen Streetfood-Laden, welcher die ungarische Kolbasz auf moderne Art zubereitet und serviert.

In Zeiten von Bergen an Plastikmüll und Kaffee-to-go-Wahn sind wir über das schmackhafte, ausgehöhlte Brothörnchen als Ersatz für eine Plastikschale sehr erfreut.

Unser Hotelzimmer ist zentral gelegen, praktisch eingerichtet und strahlt den Charme des post-Sozialismus aus und hat sogar einen Fernseher mit West-Empfang ;-).



4.Tag - von Györ nach Komaron/Komarno

Materialprüfung

Da ich für den 4.und 5.Tag kürzere Etappen geplant habe, lassen wir uns Zeit und genießen das Frühstücksbuffet im Hotel und beobachten die Business-Gäste.

 

Zur kommenden Etappe zu den Schwesterstädten Komaron/Kormano habe ich im Vorfeld oft gelesen, das der übliche Weg auf ungarischer Seite einer stark befahrenen Straße folgt. Ich plane noch einmal um und wir fahren von Dorf zu Dorf und treffen später dann doch noch unerwartet auf den Eurovelo 6.

 

Schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt fahren wir durch ärmliche Straßendörfer und abseits gelegene, meist heruntergekommene Höfe. Die Straßen sind unbefestigt oder voller Schlaglöcher. Man sieht kaum Menschen, sieht und hört hinter den Zäunen meist sehr unfreundlich bellende Hunde.

 

Die Ortsstraße endet und wir stehen vor einem ruppigen Feldweg. Zunächst vermute ich, das uns meine Navi-Routenplanung fehlgeleitet hat; entdecken dann aber ein paar hundert Meter später dann doch ein Schild zum Eurovelo 6.

Der Weg durch den folgenden Wald entpuppt sich als Materialtest für unsere Räder; tiefe Schlammlöcher und grobe Steine wechseln sich mit kaputten Betonplatten ab. Ich denke daran, das ich auf den bisher zurückgelegten Kilometern zumindest bewusst kein Fahrradgeschäft oder -Werkstatt gesehen habe und hoffe, das wir ohne Komplikationen hier durch kommen.

Das plötzlich den Weg kreuzende Rotwild interessiert sich nicht für uns und nach einer gefühlten Ewigkeit verlassen wir den Wald und freuen uns, das wir wieder einigermaßen befahrbare Wege unter den Rädern haben.

Noch ein paar Kilometer durch die üblichen Vorort-Siedlungen und Industriegebiete und wir überqueren nach rund 53 Kilometer die Donau von Ungarn in die Slowakei. Die beiden Schwester-Kleinstädte sind geprägt durch den Grenzverkehr und die Vor-/Nachteile der unterschiedlichen Währungen Euro und Forint.

 

Bei einem ausgiebigen Rundgang sammeln wir eine Menge Eindrücke und besorgen uns noch Getränke-Vorräte für den kommenden Tag.

Unsere kleine Pension liegt zentral in der Innenstadt, ist sauber,besticht durch eine kuschelige Bettstatt und von der Chefin schmackhaft zubereitetes Essen..



5.Tag - von Komaron/Komarno nach Esztergom

Morgenstimmung
Wir starten ziemlich früh und freuen uns, das wir nach nur wenig Berufsverkehr auf den gut ausgebauten Radweg treffen. Es ist noch kalt, doch die aufsteigende Sonne und der morgendliche Dunst zaubern eine angenehme Stimmung.

Klonk

Plötzlich ein kurzes "klonk", ich halte an und stelle eine abgescherte Speiche an meinem Hinterrad fest. Da kurz vor unserer Abreise schon einmal eine andere Speiche an der gleichen Stelle gebrochen war, habe ich damit gerechnet. Ich fixiere die Speiche mit Pflaster aus unserer Reiseapotheke und hoffe, das bis zum nahenden Ziel Budapest keine weiteren Speichen brechen. Der Radweg auf der slowakischen Seite ist ziemlich gut ausgebaut und verläuft durchgehend auf der Dammkrone, teilweise ist dieser geteert, meistens fest gefahrener Sand.

 

Armut
Kurz vor Sturovo führt der Weg durch ein aufgelassenes Industriegebiet mit etlichen verfallenen Häusern. Wir bemerken in einem der Häuser eine Frau mit ihrem kleinen Kind die dort zu leben scheint. Die sichtbaren Unterschiede in den Lebens- und Versorgungsverhältnissen zu unserer Heimat werden immer größer, je weiter wir gen Osten/ Südosten fahren. Dieses Kind wird im Leben vermutlich keine großen Chancen bekommen - wir werden nachdenklich.

 

Kunst
Wir passieren die Grenzbrücke und Esztergom begrüßt uns mit seiner alles überragenden Basilika. Nach kurzer Suche finden wir im "Kirchenviertel" unser Hostel mit Kneipe. Es wird von einer jungen Künstlerin geführt und ist auch der Treffpunkt der örtlichen Jugend. 

Das Hostel ist gemütlich, doch kommen wir uns in diesem Umfeld doch ein wenig "ältlich" vor und auch die laut gespielte Musik ist nicht so ganz unser Fall.

 

Da am nächsten Tag die letzte und mit fast 85 Kilometer auch recht lange Etappe ansteht, gehen wir zeitig schlafen.



6.Tag - von Esztergom nach Budapest

Ein Tag mit Nieselregen

Wir wachen wieder früh auf und wie vorhergesagt, ist es grau in grau und es regnet ein wenig. Wir sind stolz über unsere bisherige Leistung, haben aber auch Respekt vor der letzten langen Etappe mit dem zu erwartendem Stadtverkehr einer Millionen-Stadt.

Bei Szob wollen wir noch einmal die Donauseite wechseln, doch die Fähre hat ihren Betrieb im Oktober 2017 eingestellt. Wir planen um und bleiben weiter auf der moderat befahrenen Landstraße. 

 

Auf der Donauinsel

Nach einigen Kilometern entdecken wir ein Hinweisschild zu einer Fähre. Diese ist in Betrieb und bringt uns auf die langgestreckte Szentendre-Donauinsel. Die Inseldörfer sind noch recht ursprünglich, der Verkehr ist gering und mit dem nachlassenden Nieselregen kommen wir gut voran. In Höhe der Ortschaft Szentendre geht es mit einer kleinen Fähre wieder zurück auf die Budaer Donauseite.

Szentendre scheint das Ausflugsziel der Budapester zu sein. Eine

ordentliche Donau-Promenade und ein Lokal nach dem anderen laden auf ein kurzweiliges Wochenende ein. Kaum sind wir von der Promenade weg, beginnt auch schon der Budapester Vorstadt-Verkehr.

 

Der Radweg (Donauradweg/ E6) verläuft weiterhin am Donauufer und nur auf den letzten Kilometern bis zum Zentrum folgt man den wenigen Radwegen. Einmal passen wir nicht auf und befinden uns unerwartet auf der stark befahrenen und abgezäunten Budaer-Uferstraße ohne Seitenstreifen. Wir schwitzen und sind froh als nach 2 Kilometer wegen Stau der Verkehr zum stehen kommt, der Zaun ein Ende hat und wir endlich wieder auf einen Radweg flüchten können.

 

Am Ziel
Über die Margaretenbrücke queren wir die Donau auf die Pester Seite und nach 80 Kilometer Tagesetappe und insgesamt seit Wien 361 Kilometer im Sattel sind wir an unserem Ziel - die Kettenbrücke unterhalb des Burgpalastes mit der Fischerbastei.

 

Budapest-Sightseeing
In den letzten Tagen hatten wir meist nur den Fahrtwind und ein wenig ländlichen Verkehr in den Ohren. Seit Györ zudem auch keinen Fernseher oder Radio. Die Millionenstadt Budapest erschlägt uns fast mit seinen vielen Menschen, dem dichten Verkehr und einer Lautstärke, die wir so überhaupt nicht mehr gewohnt sind. Selbst Augsburg ist im Vergleich ein stiller Ort.

 

Wir haben den ganzen Freitag Zeit für Budapest und besuchen zu Fuß die üblichen Sightseeing-Ziele. Als sehr lohnend stellt sich der Besuch des Cafe Gerbeaud heraus. Das altehrwürdige Cafehaus wurde von einem deutschen Unternehmer restauriert und versetzt einen in die Zeit um 1900. Der Besuch ist für ungarische Verhältnisse teuer, lohnt sich aber allemal.



Unser Budapester Hostel hat sich als Fehlgriff erwiesen. Es liegt zentral, ist einigermaßen sauber und man kann warm duschen, hat aber den Charme einer Abstellkammer und einfachste Betten mit defektem Lattenrost.
Wir freuen uns beide auf unser ruhiges Zuhause und stehen früh auf, damit wir genügend Zeit haben, den richtigen Busbahnhof finden und unseren Bus auf keinen Fall verpassen. 

Nach einer kurzen Orientierung findet unser Navi den richtigen Weg und wir fahren los. Der Busbahnhof NEPLIGET liegt zentral an einer großen, stark befahrenen Ausfallstraße. Wir wollen nichts riskieren und nutzen die morgendlich leeren Fußwege als Ersatz-Radweg. Der Busbahnhof ist gut frequentiert, aus allen Richtungen treffen Busse ein und fahren wieder ab. Das Reisen mit dem Fernbus ist in diesem Teil von Europa eine völlig andere Welt. Unser Bus ist pünktlich und mit nur drei Haltestellen kommen wir müde und mit vielen neuen Eindrücken wieder in Augsburg an.


Meine persönliche Erkenntnisse dieser Reise

Bei einer Reise mit dem Rad sieht man komprimiert so viele Dinge, das man Tage benötigt um diese Eindrücke zu sortieren und zu verarbeiten. Eine Wanderung ist vom erleben her vielleicht noch intensiver, doch durch die höhere Geschwindigkeit eines Fahrrades, erlebt man mehr in kürzerer Zeit und lässt eher unschöne Gegenden auch schneller hinter sich.

Lässt man sich dann auch noch darauf ein, alles ohne Reiseveranstalter durchzuführen und auch auf den gleichförmigen Komfort der großen Hotelketten zu verzichten, taucht man schnell in die örtlichen Lebenswirklichkeiten ein.

In vier Abschnitten und 12 Etappen bin ich von Meitingen aus durch Bayern, Österreich, die Slowakei und Ungarn geradelt. Alles ist EU-Land, doch unterm Strich - je östlicher/südöstlich ich gefahren bin, je größer werden die Unterschiede zu unserem Deutschland.

Es ist allemal eine Reise wert einen Blick hinter den Horizont zu wagen - die Sicht auf die eigenen Lebensumstände wird eine andere und ich bin froh, in einem Land wie dem unseren zu leben. Klar gibt es da vieles zu verbessern, aber immer von einem Niveau aus, das man in anderen Ländern vergeblich versucht zu erreichen.