3. Etappe von Bad Gastein an den Ossiacher See

eine lange Etappe

Nach etwa 20 Minuten erreicht der Zug Mallnitz in Kärnten. Es wird richtig warm, ich ziehe mich um und mache mich auf den Weg. Die heutige Etappe ist mit rund 100 km für mich recht lang und führt mich über das Mölltal und den Millstädter See bis an den Ossiacher See.

 

Wo es hinauf geht, geht es auch wieder hinunter...

Der „Radweg“ ist die normale Bundesstraße und führt in langen Serpentinen und recht hohem Tempo steil bergab ins Tal. Nicht nur einmal hoffe ich, das meine Bremsen funktionieren und ob der dauernden Belastung auch stabil sind. Einen Unfall bei diesem Tempo mag ich mir gar nicht vorstellen. Einfacher Fahrrad-Bremstechnik würde ich (vor allem mit viel Gepäck) bei diesem Streckenabschnitt nur bedingt vertrauen.

Nach den beiden ersten Etappen mit überwiegenden Anstiegen, freue ich mich über die lange Abfahrt in das Mölltal und vergesse darüber ganz das fotografieren.

Total verfahren
Ich komme ohne Gefahrenmomente im Tal an und

 

...ich verfahre mich trotz Routenplanung und Beschilderung, durchfahre auf der falschen Uferseite ein Freizeit- und Kajak-Camp und lande am Ende auf einer Mountain-Bike-Cross-Strecke!?

 

Auf dem Navi sehe ich nach ein paar Kilometer einen Weg und eine Brücke um wieder meine Route zu erreichen und entscheide mich für Matsch, schmalste Pfade, das Umtragen von gestürzten Bäumen und ziemlich steinigen Untergrund.

Die Stimme des Navi meldet ziemlich nervend, das nicht umgeplant werden kann und ich auf die (nicht vorhandene) Karte schauen solle – letztlich vertraue ich mir selbst, schaffe die Passagen und stehe, schmutzig, verschwitzt und abgekämpft, wieder auf dem richtigen Weg.

Alleine auf dem Weg
Von dort ab fahre ich über langgezogene, moderate Steigungen und Gefälle dem Ende des Tals entgegen. Ich bin der einzige Radler auf viele Kilometer, hänge meinen Gedanken nach und fahre auf dem Drau-Radweg, dem Tauern-Radweg und dem Radweg um den Mallnitzer See.

Ich genieße die Blicke auf die Seen, das Flair und die sonntägliche Ausflugs-Kultur, habe aber immer noch das Tagesziel „Campingplatz Ossiacher See“ im Blick.

 

Am Ende des Mallnitzer See steht mir noch die Umfahrung einer Bergkette bevor, die mich mit ordentlichen Anstiegen zum Afritzer See fordert, aber auch mit einer langen Abfahrt zum Ossiacher See hin belohnt.

bekanntes Urlaubsziel - der Ossiacher See

Nach rund 100 Kilometer durch Berg und Tal rolle ich auf dem mir aus vergangenen Zeiten bekannten Campingplatz „Campingbad Ossiacher See“ ein. Ich bin wirklich stolz auf mich und ein Foto mit Rad am Seeufer soll das für mich festhalten. Ich baue mein Zelt auf, esse mit Appetit die Spaghetti im Campingplatz-Restaurant und sitze noch lange am Seeufer und blicke gedankenlos in das Weite.


Auf dem Platz selbst sind überwiegend Wohnmobile und Wohnwagen-Gespanne der gehobenen Kategorie zu sehen. So manches Mobil könnte auch in der Fernsehwerbung präsentiert werden – ein schickes Mobil, ein Tisch mit Blumenvase, zwei Stühle, zwei E-Bikes und eine vollautomatische Satelliten-Schüssel für das vertraute Abendprogramm … so sieht wohl der Traum eines Wohlstand-Rentners aus.


4. Etappe vom Ossiacher See nach Pontebba

Die morgendliche Sonne weckt mich gegen 7.00 Uhr. Ich sitze am Seeufer, prüfe nochmals meine bevor liegende Tour und erinnere mich, das es bis zur österreichisch/italienischen Staatsgrenze noch einige Höhenmeter zu überwinden gilt.

Bei der Planung am Computer werden einem schon viele Hinweise gegeben, doch wie es dann tatsächlich aussieht und sich 28% Steigung auf wenigen Metern auf dem voll bepackten Fahrrad anfühlen, kann man nur erleben, wenn man so eine Tour dann auch wirklich selbst fährt.


Der Radweg ist noch eben, gut beschildert und führt auf dem Uferdamm der Gail am Stadtrand von Villach an Arnoldstein vorbei in Richtung Landesgrenze.

Außerhalb der Stadtgrenze von Villach begegne ich nur noch wenigen Radfahrern und arbeite mich mit diversen Pausen und ein, zwei Schiebestrecken rund 450 Höhenmeter nach oben bis zur Landesgrenze bei Unterthörl.

Ab dem Grenzübergang (nich tauf der Straße bleiben, der Anschluss zum Radweg führt über eine steile Passage gleich rechts vor den Grenzgebäuden in den Wald) führt der Radweg dann bereits über die historische Bahntrasse und die ersten Eisenbahntunnel - Brücken und -Viadukte. 

Die Zählstation am Beginn des vor einigen Jahren neu hergerichteten Teilstück des Ciclovia Alpe-Adria auf der historischen Bahntrasse zählt mich als 7.799 Besucher/Radfahrer. Der Radweg ist super ausgebaut und durch die dauernde, leichte Anfahrt fahre ich ohne merkliche Anstrengung mit so um die 20 km/h durch die berge.

Ich habe diese Etappe zur Regenerierung bewusst kürzer geplant und bin nach 62 gemütlichen Kilometern an meinem Tagesziel in Pontebba angekommen. Mangels erreichbarer Campingplätze hatte ich für mich im Albergo Caffe` Veccio ein Zimmer mit Frühstück gebucht.

Der Ort selbst ist ein typisches Dorf der Gegend ohne nennenswerte Infrastruktur. Als ehemaliger Grenzort mit einem größeren Bahnhof, malerische zwischen verschiedenen Pässen nach Österreich und Slowenien gelegen, hatte der Ort in der Vergangenheit sicher eine große Rolle auf dem Weg in die angrenzenden Nachbarländer gespielt.

 

Ich spaziere durch den Ort,sauge die Stimmung auf, treffe in einer Bar einen weiteren Fernradler aus Österreich und stärke mich am Abend im Albergo Caffe` Veccio mit einer sehr schmackhaften Pizza.