5. Etappe von Pontebba nach Udine (ca. 74 km)

Nach den vorangegangen Übernachtungen im Zelt freue ich mich über das gemütliche Bett und ein gutes, serviertes Frühstück. Der Tag beginnt mit einigen tief hängenden Wolken im Tal und ab und zu ein paar Tropfen ohne das der Radweg wirklich nass wird.

Am Ortsende von Pontebbo gelangt man über eine "Fahrrad-Treppe" wieder auf den Radweg auf der alten Bahntrasse. Ohne Schwierigkeiten folge ich dem gut ausgezeichneten Weg und passiere etliche Tunnel, Brücken, lange Mauern zur Absicherung der steilen Hänge und alten, meist verfallene Bahnwärterhäuschen oder auch kleine Haltestellen.

Der weite Blick
Die Sonne hat die morgendlichen Wolken vertrieben, das Tal verbreitet sich zusehends und gibt einen weiten Blick frei. Die nun schon recht mediterrane Vegatation lässt die fruchtbare Ebene des Friaul schon erahnen.

 

In Chiusaforte hat sich ein Gastronom im alt-ehrwürdigen Bahnhof niedergelassen und hat ein großes Herz für Radfahrer und Sportler jeder Richtung und ich genieße in der Sonne einen leckeren Cappucino.


Im Friaul / Venzone

So sehr ich die Berge mag, so angenehm empfinde ich die südländische Atmosphäre. Bäume, Blumen, die Luft, die Gerüche - alles hat sich während der letzten Kilometer verändert.

Ich rolle in Venzone ein. Ein sehenswertes, pittoreskes Städtchen mit einer gut erhaltenen, historischen Innenstadt. Auf dem Markt verpflege ich mich mit frischen Tomaten und beobachte die Dreharbeiten zu einer italienischen Seifenoper.

Im Friaul - Udine und Umgebung

Auch wenn Udine heute politisch zu Venetien gehört, so habe ich den Eindruck, das die Stadt und das Umfeld sich als Hauptstadt der Provinz Friaul fühlen und die Bewohner dies auch so leben.

Mein Weg führt mich durch zahlreiche, städtische Vororte, wobei die nach Westen ausgerichtete Lage am Rande der beginnenden Höhenzüge wohl den besser betuchten Udineser vorbehalten sind.

Schön vor fremden Blicken geschützt, schmiegen sich zum Teil sehr alte Villen und beeindruckende Anwesen in den Hang und bieten einen tollen Blick über die Stadt.

Die Etappe neigt sich dem Ende und mein Navi führt mich problemlos zu meinem Hostel "Marameo".

Ein tolles Hostel
Das nur knapp 10 Radminuten vom Zentrum entfernte Hostel erweist sich als Glückstreffer. Sauber, gepflegt, eine Garage für mein Rad, ein netter Vermieter samt Katze, und ein leckeres Frühstück - was will man mehr.

Am Abend besuche ich noch die sehr sehenswerte Altstadt von Udine. Da heute in Italien Feiertag ist (Tag der Befreiung), sind viele Einheimische und Touristen unterwegs und bevölkern die unzähligen Bars, Cafes, Restaurants und Eisdielen.


6. Etappe von Udine nach Grado (ca. 68 km)

Mit der Gewissheit, das ich die Alpe-Adria-Tour schaffen werde, gehe ich den letzten Tag nach einem guten Frühstück recht gelassen an.

Entgegen meiner Befürchtungen ist der morgendliche Stadtverkehr verhalten und schon nach kurzer Zeit lasse ich die Stadtgrenze von Udine hinter mir.

 

Radfahren im italienischem Stadtverkehr
Wie auf meiner ganzen Reise außerhalb Deutschland fällt mir auf, das der Autoverkehr bei ähnlicher Verkehrsdichte insgesamt um einiges langsamer und vor allem unkomplizierter ist.
Ich kann mich nicht erinnern, das mich ein Auto angehupt hätte oder ich von einem wild gestikulierendem Auto- oder LKW-Fahrer überholt oder gar bedrängt worden wäre.


Palmanova - am Reißbrett geplant

Die nächsten Kilometer führen mich auf Feldwegen oder schmalen Straßen durch das ebene Friaul zu meinem nächsten Ziel - die am Reißbrett entstandene Festungsstadt Palmanova.

Ich suche mir ein kleines Cafe und beobachte das bunte Treiben auf dem riesigen, kreisrunden zentralem Platz. Ich lerne ein aus Sizilien stammendes Paar kennen, das mit ihren beiden Hunden schon seit Wochen mit dem Rad unterwegs sind. Ihr nächstes Ziel ist Kroatien und dann immer weiter - ich bewundere die Lockerheit der beiden Aussteiger.


Aquileia

Ich bin in Gedanken schon am Ziel, doch es sind noch einige Kilometer zu fahren.

Auf dem nun fast schnurgeraden Weg halte ich nur noch kurz in Aquileia an. Es soll eine der ältesten christlichen Siedlungen sein. Da ich eine Abneigung gegen (für mich gefühlt) zu hohe Eintrittsgelder habe, fahre ich schon bald weiter.


Der erste Blick auf die Lagune von Grado

Schnurgerade und immer an der Straße in Richtung Grado entlang führt der gut ausgebaute Radweg. Aus verschiedenen Richtungen kommen nun mehr Radfahrer auf den Weg in Richtung Grado - und dann ist es soweit - der erste Blick auf die Lagune von Grado.

Noch sind es ca. 6 Kilometer über den Deich bis zur Insel; ich bin stolz auf meine Leistung, ignoriere den spürbaren Gegenwind in der offenen Lagune und stelle mir schon mein persönliches "Siegerfoto" vor.


Am Ziel - die Uferpromenade von Grado

Nach mehr als 400 Kilometer im Sattel habe ich meine erste Alpenüberquerung geschafft. Ich stehe auf der Uferpromenade und, welch ein Zufall, ein Radler aus Villach ruht sich gerade dort aus, wo mich mein Navi an die Promenade hin geführt hat.

Er ist sehr freundlich, macht mein Zielfoto und wir gehen zusammen auf einen Radler-Ratsch in ein Cafe.


Grado - eine hübsche Stadt, viel Natur und Wind

Ein paar Kilometer östlich der Stadt befindet sich der bereits geöffnete Camping Al Bosco. Ich richte mich ein und mache den ersten langen Strand-Spaziergang.

Die Insel-Stadt Grado hat eine hübsche, sehenswerte Altstadt, einige Hotels und darunter auch so manche optische Bausünde aus den 70er Jahren.

Anders als an anderen, mir bekannten Adria-Stränden, gibt es hier ähnlich wie an der Nord- und Ostsee öffentliche Strandbäder, die man gegen Eintritt benutzen und sich auch die übliche Strand-Möblierung ausleihen kann.

Die Strandabschnitte außerhalb der Hotelzone sind ziemlich naturbelassen, sauber, flach und gerade bei Ebbe kann man unheimlich weit ins Wasser laufen.
Der zum Nachmittag hin recht kräftige Seewind und das flache Wasser machen die Lagune von Grado zum Paradies für Kitesurfer, Strandwanderer und Sonnenanbeter.


Wieder nach Hause - mit der Bahn

In Richtung Deutschland gibt es mit der Bahn nur zwei große Richtungen. Entweder über die Brenner-Magistrale oder über die Tauern.

Da Grado selbst keinen Bahnanschluss hat, fahre ich mit dem Rad wieder rund 60 Kilometer zurück nach Udine und nutze den zweimal am Tag verkehrenden Zug ÖBB-Micotra  (mit Gepäck-/Fahrradwagen)  von Udine nach Villach.

Da man für die schnellen Zugverbindungen (Railjet, Eurocity und ähnliche) den Fahrradtransport zwingend vorbuchen bzw. reservieren muss, ist man an die Reisezeiten gebunden.

Ich übernachte daher in Villach ein letztes Mal, bummele abends durch die Kneipen-Meile "Ledergasse" und freue mich auf die morgendliche Heimfahrt.

Die Heimreise - ohne Tücken.

Oft wird über die Bahn geschimpft, doch ich muss sagen - es hat alles wunderbar funktioniert.

Der Zug fährt in Villach pünktlich ab, die Reservierung von Fahrradstellplatz und Sitzplatz hat geklappt und auch der mir vorher bekannte Bus-Schienenersatzverkehr (Baustelle nach der Tauernschleuse)  war bestens organisiert.

Lediglich in München hat sich der Zug bei der Ausfahrt (wegen falsch zugestiegener Fahrgäste, ein feucht-fröhlicher Junggesellen-Abschied) verspätet. Im Ergebnis habe ich lediglich in Augsburg den Anschluss-Umstieg zum Nahverkehrszug nach Meitingen verpasst.

 

Da kann die Bahn an sich nichts dafür und ich bin unterm Strich lediglich 20 Minuten später als geplant zuhause angekommen.


Meine Erkenntnis

Das Reisen mit dem Rad ist für mich derzeit die schönste Form um auf sportliche Weise viel zu sehen, zu riechen, zu schmecken und kennen zu lernen.

 

Der sportliche Anspruch der Alpe-Adria ist im Vergleich zu Fluss-Radwegen klar ein höherer; doch mit entsprechendem Training und Vorbereitung ist so eine Tour auch für bisher noch nicht so geübte Radfahrer machbar.

Ob man so eine Tour selbst plant oder sich einem Veranstalter anvertraut, muss jeder selbst nach seinen Möglichkeiten, der verfügbaren Zeit und auch des Anspruchs an Service und Unterkunft entscheiden.

 

Wer eine individuelle Radreise machen möchte, jedoch keine Zeit für Planung usw. hat, kann sich gerne auch an mich wenden.

Wenn alles passt, kann ich gerne die Tour als Guide planen und begleiten - jetzt anfragen.


Für Unentschlossene

Ein Mensch stirbt, steht vor dem Herrn und fragt diesen: "Jetzt bin ich tot und stehe hier, war das nun alles?"

Der Herr antwortet:

"Nun, das war alles - alles was Du daraus gemacht hast!"